Wie bekomme ich Injektionen verschrieben?
Sprich deine begleitende Ärztin/deinen begleitenden Arzt einfach drauf an! Hier sind noch ein paar Tipps:
Bereite dich gut vor: Sei gut über Injektionen und deren Durchführung informiert. Rechne damit, dass du deine Ärztin/deinen Arzt zu dem Thema aufklären musst.
Zeige, dass du gute Gründe hast: Möglicherweise bevorzugst du stabilere Hormonwerte, eine seltenere Applikation oder möchtest des Risiko wegen auf synthetische Anti-Androgene wie Androcur verzichten.
Sei kompromissfähig: Es könnte es helfen, wenn du dich bereiterklärst, es als Privatrezept selbst zu bezahlen, selbst wenn nur als Probelauf, um zu zeigen, dass dir der Umstieg wichtig ist.
Mach es deiner Ärztin/deinem Arzt einfach: Bring eine Vorlage für ein Rezept deiner bevorzugten Apotheke mit.
Wie funktioniert die Übernahme durch Krankenkassen?
Ein Antrag über Kostenübernahme ist nicht unbedingt nötig.
Wenn deine Ärztin/dein Arzt entscheidet ein Kassenrezept auszustellen, werden die Kosten in der Regel von der Krankenkasse getragen. In seltenen Fällen fragt die Krankenkasse nach.
Manche Ärztinnen/Ärzte sind leider nur bereit Injektionen als Privatrezept auszustellen. Dann könntest du fragen, ob ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden kann.
Für einen Antrag werden in der Regel eine Begründung deiner Ärztin/deines Arztes, warum die Behandlung medizinisch notwendig ist, und dein therapeutisches Indikationsschreiben benötigt. Du erhältst dann in wenigen Wochen eine Antwort deiner Krankenkasse. Einer Ablehnung kannst du widersprechen. Werden weitere Unterlagen benötigt oder der Medizinische Dienst eingeschaltet, kann es länger dauern.
Was ist der Unterschied zwischen Fertigspritze, Vial & Ampulle?
"Mutli-Dose" Vials sind mehrfach benutzbar. Bei jeder Injektion muss erneut eine Spritze gefüllt werden. Da sie ein Konservierungsmittel enthalten, kann ein Vial so mehrere Monate halten.
Fertigspritzen sind von der Apotheke bereits befüllte Spritzen. Der Prozess ist also etwas unkomplizierter.
Ampullen sind steril verschlossene Glasbehältnisse zum Aufbrechen. Eine Ampulle enthält eine Einzeldosis, die nach dem Öffnen mit einer Spritze aufgezogen wird. Überschuss muss entsorgt werden. Aufgrund von Glassplittern empfiehlt sich die Verwendung von speziellen Filternadeln (Quelle).
Welche Nadelgrößen werden für Injektionen benutzt?
Bei den meisten Apotheken kannst du unkompliziert Equipment für Injektionen dazubestellen. Frag einfach nach!
Gängige Kanülen sind 25-26 Gauge (0,4-0,45 mm Durchmesser) und damit nur etwa halb so dick wie Kanülen bei der Blutabnahme. Je nach Dickflüssigkeit der Injektionslösung (z. B. durch ein dünnflüssigeres Trägeröl) können sogar noch dünnere Nadeln (bis zu 30 Gauge, 0,3 mm) verwendet werden.
Mit einer gängigen Länge von 12-16 mm sind subkutane Injektionen (ins Fettgewebe) in der Regel einfacher und weniger schmerzhaft als intramuskuläre Injektionen (ins Muskelgewebe), bei denen Kanülenlängen von 25-38 mm verwendet werden. (Quellen)
Weiterlesen: Nadelkunde (aus: Eine praktische Anleitung zur feminisierenden HRT)
Was ist der Unterschied zwischen den verschiedenen Ölen?
Sesamöl und Mittelkettige Triglyceride ("MCT Oil") sind sehr dünnflüssig und funktionieren problemlos mit dünnen Kanülen. Das macht die Injektion oft leichter.
Rizinusöl ("Caster Oil") ist deutlich dickflüssiger. Für die Injektion brauchst du etwas dickere Kanülen (oder sehr viel Geduld).
Manchmal gibt es auch andere Gründe auf ein anderes Öl umzusteigen, z. B. Allergien.
Welche Dosierungen sind gängig?
In der Regel werden zwischen 3-4 mg alle 5 Tage oder 5-6 mg wöchentlich injiziert (Quellen).
Richtlinien variieren sehr, aber aktuelle Studien demonstrieren, dass mit 3-6 mg wöchentlich meistens gewünschte Estradiolwerte erreicht werden. Mit Injektionen ist eine Monotherapie (Verzicht auf Anti-Androgen) möglich, dann kann die benötigte Dosis für Testosteronunterdrückung höher liegen (z. B. 5-6 mg wöchentlich). Für stabiliere Hormonlevel kann auch häufiger injiziert und die Dosis dementsprechend reduziert werden (z. B. 3-4 mg alle 5 Tage).
Das zu injizierende Volumen hängt von der Konzentration der Injektionslösung ab. Siehe dazu: Dose, Volume, and Concentration Conversion (von: Transfeminine Science)
Die Dosis kann anhand von Bluttests angepasst werden, um zu hohe oder zu niedrige Hormonspiegel zu vermeiden. Die Blutabnahme erfolgt in der Regel am Tiefpunkt, also möglichst kurz vor der nächsten Injektion.
Wie führe ich eine Injektion durch?
Manche Apotheken legen auf Nachfrage eine Anleitung bei. Frag einfach nach!
Ansonten kannst du hier eine Anleitung finden: Technik und Materialen (aus: Eine praktische Anleitung zur feminisierenden HRT)